Malen gegen die Sorgen

„Wie kann ich meine Sorgen loswerden?“ Wenn du dich das fragst, dann ist diese Übung genau das Richtige für dich!

Liebe Leserin, lieber Leser!

Machst du dir zu viele Sorgen? Dann stell doch einmal dein Sorgenmonster in einem Bild dar. Den Sorgen wird ein Gesicht gegeben, wodurch du Abstand gewinnen kannst. Das beklemmende Gefühl wird externalisiert (nach außen verlagert) und verliert an Intensität. Gleichzeitig stellst du dich dadurch einem wichtigen Anteil in dir, deinem Schatten. Dies ist eine Voraussetzung, um dich selbst so anzunehmen, wie du bist.

Der innere Monolog

Wir Menschen haben sehr komplexe Persönlichkeitsstrukturen. Wir reden mit uns selbst, wir träumen und haben verschiedene Seiten, die ihre eigenen Stimmen besitzen. Innerlich schimpfen wir manchmal oder wir denken zärtlich an etwas. Jeder Mensch hat in sich verschiedene Typen, die unterschiedlich ausgeprägt sind. Und so gibt es in uns Stimmen, die uns gar nicht gut tun, oder die auf Grund von Erziehung oder anderen Einflüssen im Leben besonders ausgeprägt sind. Neben dem Sogenmacher machen uns manchmal der innere Kritiker, das Opfer oder der Perfektionist das Leben schwer. Dies sind die Hauptformen des negativen inneren Monologs. (Jeder dieser Anteile hat aber auch eine positive Funktion, denn nichts ist nur schlecht.) Der unten dargestellte Sorgenmacher (Sorgenmonster) rechts im Bild hat seine Bedrohlichkeit allein durch die Darstellung verloren, und dem Malenden ist es sogar gelungen, darüber zu lachen.

Sorgenmacher

Gehe deinen negativen Glaubenssätzen nach

Werde dir zunächst deiner stressauslösenden Glaubenssätze bewusst, indem du sie aufschreibst (Beispiele: „Ich bin wertlos“, „Ich bin ein Pechvogel“, „Niemand mag mich“, „Mit Geld kann ich nicht umgehen“, „Ohne Fleiß kein Preis“, „Das Leben ist hart“ und viele mehr). Ordne diese Aussagen dann den verschiedenen Persönlichkeitanteilen zu, um festzustellen, welcher Persönlichkeitsanteil bei dir besonders ausgeprägt ist. Kritisierst du dich selbst ständig? Glaubst du immer, alle anderen sind schuld? Musst du in allem immer die oder der Beste sein? Oder siehst du alles sorgenvoll? Nimm deine Schattenseiten an, weise aber jene Anteile zurück, die auf destruktive Einflüsse durch Eltern und ErzieherInnen zurückzuführen sind. Wandle dann schriftlich diese negativen in positive Glaubenssätze um. Dann wird zum Beispiel aus: „Das werde ich nie schaffen“ – „Alles läuft wie am Schnürchen.“ oder „Ich habe schon so viel geschafft, dann werde ich das auch noch bewältigen.“

Um, wie im oberen Beispiel beschrieben, dem bestimmten Persönlichkeitsanteil den Ernst und die Schwere zu nehmen, kannst du ihn auch malen.

Wenn dich das Thema interessiert, oder wenn du Unterstützung bei der Erkennung deiner einschränkenden oder vielleicht sogar quälenden Glaubenssätze oder Schattenthemen benötigst, dann kontaktiere mich doch über http://www.a-primus.at

Ich freue mich darauf.

Alles Liebe, A.P.

Rollenklischees in Märchen

Wien, 11.07.2018

C.G.Jung und die Archetypen

Märchen werden in der Kunsttherapie, so wie ich sie gelernt habe – also nach dem Modell von C.G.Jung – heranzgezogen, um die Archetypen, wie zum Beispiel den Helden oder die Prinzessin, die Hexe oder den Zauberer, zur eigenen Person bzw. zu eigenen Persönlichkeitsanteilen in Bezug zu setzen. Märchen sind sehr deutlich strukturiert: die Menschen, die darin vorkommen, durchlaufen einzelne Entwicklungsstadien. Der Ausgang ist meist positiv. Die Märchen werden in der Kunsttherapie ausgewählt, je nachdem, was gerade das Thema der Klientin oder des Klienten ist. Besteht zum Beispiel eine Überforderung durch eine andere Person – etwa den Vater oder die Mutter, eignet sich das Märchen „Rumpelstilzchen“, weil es darin um eine Müllerstochter geht, die für den König Stroh zu Gold spinnen muss, was sie aber unmöglich schaffen kann. Das Märchen wird (vor-)gelesen und eine beliebige Szene daraus gemalt. Danach wird das Bild zum eigenen Leben in Bezug gesetzt, und es können Problemlagen aufgedeckt, Ressourcen gefunden und Möglichkeiten der Lösung des Problems erarbeitet werden.

Darstellung der Geschlechter in Märchen

Nun habe ich aber immer schon damit gehadert, dass die Rollenklischees in Märchen nicht meiner eigenen emanzipatorischen Vorstellung, sondern wohl eher den Stereotypen von Mann und Frau entsprechen. Dem wird von JungianerInnen entgegen gehalten, dass die Archetypen nicht auf die realen Geschlechter umgelegt werden können, sondern für Anteile in jedem oder jeder von uns stehen. So kann ein Mann einen im Märchen enthaltenen weiblichen Anteil besitzen und eine Frau einen männlichen. Das hat durchaus seine Berechtigung, sofern die Klientin oder der Klient den Symbolismus zu erkennen vermag. Einmal las ich einem jungen Mann das Märchen „Rumpelstilzchen“ vor, um in der Folge im Bild die Beziehung zu seinem autoritären Vater zu thematisieren. Es funktionierte, denn er identifizierte sich mit der Protagonistin, der Müllerstochter. Er konnte also den weiblichen Anteil in sich erkennen und akzeptieren. Aber warum ist der schwache Anteil überhaupt weiblich? Und: was, wenn KlientInnen diese Art des Symbolismus nicht erkennen? So habe ich einmal einem kranken Mädchen ein anderes Märchen vorgelesen, in welchem eine junge, schöne, weibliche Person von einem edlen Ritter oder Prinzen gerettet und zur Frau genommen wurde. Natürlich hat sich das Mädchen mit der schönen, in Not befindlichen Maid identifiziert, deren innigster Wunsch und einziges Ziel es war, vom Helden geehelicht zu werden. Auch wenn das Unbewusste meiner Klientin die Rettung und Ehelichung auf die Genesung bezogen und diese so eine heilende Wirkung gehabt haben sollte, wie sie der Kunsttherapie durchaus zugesprochen wird, so transportieren diese Rollenklischees eine sehr traditionelle und deshalb überdenkenswürdige Sicht der Dinge, nämlich die Rollenzuschreibung der zarten, schönen Maid, die von einem starken Mann gerettet und zur Frau genommen wird.

Schneewittchen

Rollenbilder umdrehen

Wäre es nicht sinnvoll, einmal nur zur Probe die Rollenbilder in überlieferten Märchen umzudrehen? Der schöne, in Not geratene Jüngling wird von der starken Frau gefunden, gerettet und zum Manne genommen? Allein die Tatsache, dass dieser Rollentausch mehr als seltsam anmutet, spricht dafür, Märchen nach ihren Rollenklischees zu untersuchen und die Rollen der ProtagonistInnen einmal zu tauschen.

Ich hatte heute bereits – recht spontan – die Gelegenheit, mit einer Klientin den Versuch zu wagen, das Märchen „Rotkäppchen“ in umgekehrter Rollenverteilung vorzulesen. Aus dem ersten Satz: „Es war einmal ein kleines süßes Mädchen, das hatte jedermann lieb, der es nur ansah…“ wurde „Es war einmal ein kleines süßes Büblein, das hatten alle lieb, die es nur ansahen…“ Und später, als Großmutter und Rotkäppchen, die vom Wolf gefressen worden waren, vom Jäger gerettet wurden, las ich stattdessen: „Die Jägerin ging an dem Haus vorbei und dachte: Wie der alte Mann schnarcht! Du musst doch sehen, ob ihm etwas fehlt. […] Nun wollte sie ihre Büchse anlegen, da fiel ihr ein, die Wölfin könnte den Großvater gefressen haben, und er wäre noch zu retten, schoss nicht, sondern nahm eine Schere und fing an, der schlafenden Wölfin den Bauch aufzuschneiden….“ Die Jägerin erweist sich in dem von mir modifizierten Märchen als schlau und mutig, als Retterin der beiden männlichen Hauptpersonen.

Als ich fertig war, befragte ich meine Klientin nach der Wirkung, und sie sagte, so vorgelesen, sei das Märchen spannender für sie gewesen. Wir besprachen auch ihre eigene Geschlechterrolle und die Einflüsse durch Kinderbücher und Filme. Ich lud sie ein, eine Szene aus dem von mir modifizierten Märchen zu malen, dabei aber die Geschlechter so zu wählen, wie es ihrem eigenen Empfinden entsprechen würde.

Veröffentlicht mit Genehmigung der Malerin

Sie malte tatsächlich eine Jägerin. Und mit dieser identifizierte sie sich auch. Ich nehme an, hätte ich das ursprüngliche Märchen vorgelesen, dann hätte sie sich wohl eher mit dem Rotkäppchen identifiziert, süß, naiv, schusselig, in Not geraten, letztlich gerettet. Am Ende der Sitzung wurde ein Vergleich zwischen der Märchenfigur und der realen Person meiner Klientin gezogen, die, so denke ich, gestärkt daraus hervorging.

Ich hoffe, durch diesen heutigen Blogbeitrag manch eine Leserin oder einen Leser auf die Einflüsse, denen wir auch heute noch, und zwar nicht nur in Märchen aus vorigen Jahrhunderten, ausgesetzt sind, aufmerksam gemacht zu haben.

Alles Liebe, A.P.

http://www.a-primus.at

Quelle des Märchens: https://www.grimmstories.com/de/grimm_maerchen/rotkaeppchen

Begrüßung

Wien, 10.07.2018

Heute, endlich, habe ich mich dazu durchgerungen, einen eigenen Blog zu beginnen. Liebe Leserin, lieber Leser, ich begrüße dich! Und ich danke dir, dass du hier bist und dir die Zeit nimmst, meinen Blog zu lesen. Ich freue mich sehr darauf, dir in meinen Beiträgen vielleicht einige Anregungen zu kreativen oder gar kreativ-therapeutischen Betätigungen zu geben.

Was dich hier erwartet

Dieser Blog ist eine Ergänzung zu meiner Seite http://www.a-primus.at, die ich dir nicht vorenthalten möchte :). Darin findest du Informationen über mich, über Kunsttherapie an sich und die Hintergründe meiner Online-Kunsttherapie. Im Blog selbst möchte ich gerne über meine Arbeit berichten, über Richtungen in der Kunsttherapie schreiben und nicht zuletzt Methoden vorstellen. Ich möchte meinen Gedanken als jemand, der (nebenberuflich) online arbeitet, freien Lauf lassen. Das soll meiner eigenen gedanklichen Strukturierung dienen und natürlich auch dir, der Leserin und dem Leser, das von mir erworbene Wissen bereitstellen.

Mit wem hast du es zu tun?

Mein Name ist Heidi (A.) Primus. Ich habe Afrikanistik und Pädagogik studiert, die Ausbildung zur Kunsttherapeutin und zur psychosozialen Online-Beraterin absolviert und arbeite seit vielen Jahren im Bildungs- und Sozialbereich. Ich lebe in Wien und genieße ein relativ freies Leben. Ich bin sehr eigenständig, vielseitig und freiheitsliebend. In meiner Freizeit male, lese, handarbeite und werke ich gerne, sehe mir gerne gute Filme und Serien an und interessiere mich für Politik, ferne Länder,  Fotografie, Wohnideen, Naturkosmetik, Mode, Kunst, neue Medien und mehr.

Wie ist die Idee der Online-Kunsttherapie entstanden?

Am Anfang stand die Ausbildung zur psychosozialen Online-Beraterin, weil ich mich gerne schriftlich ausdrückte und in meinem sozialen Job mit zahlreichen Jugendlichen zu tun hatte, die ihre gesamte freie Zeit am PC verbrachten. Davon abgesehen war immer wieder von Sozialphobikern die Rede, die man nur so erreichen konnte. Leider kam in meiner Beratungsstelle keine nennenswerte Online-Beratung zustande, weil sich herausstellte, dass die Jugendlichen nicht gut genug schreiben konnten (oder es auch nicht wollten). Später absolvierte ich dann die Ausbildung zur Mal- und Gestaltungstherapeutin und ließ meine Kenntnisse und Fertigkeiten in meine BeraterInnen-Tätigkeit einfließen. Das brachte mich schon vor 10 Jahren auf die Idee einer Online-Kunsttherapie, die ich damals aber zugunsten anderer Beschäftigungen wieder ad acta legte. Nun ist der Zeitpunkt gekommen, diese Idee zu reaktivieren, weil ich glaube, dass der Zugang zu ihr sehr niederschwellig ist, und ich so mehr Menschen erreichen und sie bei ihren zu bearbeitenden Themen kunsttherapeutisch unterstützen kann.

Ich habe mich aber auch gefragt, ob ein therapeutisches Angebot online überhaupt funktionieren kann, und ob ich durch die Darlegung von Methoden im Blog nicht der kunsttherapeutischen Profession schade. Da ich selbst jedoch seit langer Zeit bibliotherapeutisch an mir arbeite, also mir aus Büchern Wissen über die Psyche und über Möglichkeiten eines besseren Lebens aneigne, denke ich, dass einen Blog zu betreiben, ebenso legitim und hilfreich sein kann. Ich weise darauf hin, dass Online-Kunsttherapie im Falle von akuten psychischen Erkrankungen kein Ersatz für eine Psychotherapie ist. Weiters steht es allen InteressentInnen frei, das Angebot, das ich hier bereitstelle, anzunehmen oder eine persönliche Beratung in Anspruch zu nehmen.

Vorteile der Online-Kunsttherapie

Das Angebot kann zeitlich und örtlich flexibel genutzt werden; du musst das Haus nicht verlassen, um ein therapeutisches Angebot zu nutzen; oder du kannst im Freien, in der Nacht, im Urlaub kreativ sein. Gefühle und Gedanken können durch Bilder oder schriftlich ausgedrückt werden, falls ein mündlicher Ausdruck schwer fällt. Auch kreative Ideen für die Freizeitgestaltung können eingeholt werden. Und vieles mehr……

Ein nächster Beitrag erscheint in Kürze! Alles Liebe, A.P.

Malen am See, A.Primus