Kunst und Kunsttherapie als Lernhilfe

Liebe Leserin, lieber Leser!

Auf der Suche nach Kunst, die mehr bietet als Unterhaltung und Gewinn, und an die Idee anknüpfend, dass Kunst eine Lernhilfe darstellen kann, biete ich seit mehreren Jahren „Kunst & Kunsttherapie“ an. Zunächst gründete ich ein sogenanntes Lernatelier, und später hatte ich die Möglichkeit, diese Idee innerhalb einer Institution mit Jugendlichen umzusetzen. In diesem Artikel möchte ich diese Aufgabe beschreiben.

Malen als Lernhilfe

Durch kreative Methoden sollten Jugendliche innere und äußere Bilder ausdrücken, ihre kreativen Fähigkeiten entwickeln und ihre sinnliche Wahrnehmung ausbilden können. Es wurden Bilder gestaltet und an die darin ersichtlich gewordenen Ressourcen angeknüpft, um die Jugendlichen in ihrer weiteren Entwicklung zu stabilisieren und zu fördern. So sollte ihnen eine Alternative zum Leben gezeigt werden, das sich im Allgemeinen auf soziale Netzwerke und Computerspiele reduziert. Die Jugendlichen sollten begreifen, dass das kreative Schaffen hilfreicher für ihr Leben und ihre Entfaltung ist als die stumpfe Beschäftigung mit dem Handy. Durch die Nutzung ihrer Fantasie und das Finden von Symbolen und Metaphern konnten sie ihren Horizont erweitern und wurden zum Denken angeregt. Somit hatte das Malen die Funktion einer Lernhilfe.

Malen gegen die Ohnmacht

Beim Malen üben und entwickeln Jugendliche ihre Entscheidungsfähigkeit an relativ einfachen Problemen. Sie müssen sich entscheiden, welches Format, welche Farbe, welche Form, welches Thema, welche Ausführung und welchen Rhythmus sie wählen wollen. Fehler können als Anstoß für weitere Schritte gewertet werden. Ermutigend kann die Tatsache wirken, dass Dinge tatsächlich verändert werden können. So wird aus dem Gefühl der Ohnmacht das Wissen, dass sie selbst Gestaltende ihres Lebens sind.

Malen, um Kontakt herzustellen

Wenn Jugendliche besonders zurückgezogen, gehemmt und sprachunfähig sind, hat das Malen ein großes Kontaktpotenzial. Die Artikulation ihrer Gefühle fällt vielen Jugendlichen schwer, oder sie verweigern diese. Im Bild können Voraussetzungen geschaffen werden, sprachliche Seiten zu aktivieren und das Interaktionspotenzial der Jugendlichen zu fördern. Malen ist das geeignetste Mittel, um nonverbale Empfindungen umzusetzen, denn es ist vertraut, vielfältig und sichtbar. In der Begegnung mit dem eigenen Bild, das Ausdruck von bewussten oder auch unbewussten Gefühlen und Bedürfnissen ist, bietet die kunsttherapeutische Intervention eine Basis zur Auseinandersetzung mit der eigenen Persönlichkeit.

Malen gegen die Wut

Malen hilft auch, Aggressionen abzubauen. Die Wut kann in Handlungen umgesetzt werden. Das verschafft Befriedigung. Anstatt mit dem Pinsel kann zum Beispiel mit den Händen gemalt werden, sodass der Druck direkt gespürt wird. Die Bewegungen werden der Wut angepasst. Oder die Jugendlichen können, wenn dies sinnvoller erscheint, durch das Malen zu Musik beruhigt werden und in Farben ihren Ausdruck finden. Techniken, bei denen sich die Jugendlichen auflockern und ihre Verkrampfungen auflösen können, können dazu führen, dass sie ganz neue Erfahrungen von sich selbst machen.

Förderung der sozialen Kompetenzen

Jugendliche haben einen Drang nach Loslösung und nach Individuation (Selbstwerdung). Diese sind der Motor des Lernens. Diesen Kräften stehen die Widerstände Unvermögen und soziale Anpassung gegenüber. Das sind Realitäten, mit denen sich gerade Jugendliche auseinandersetzen müssen. Sie müssen ihre Grenzen kennenlernen. Wenn Jugendliche in der Gruppe malen, lernen sie, Regeln des Zusammenseins zu beachten. Konflikte können ausgetragen werden. Expressionistische und abstrakte Bilder geben ihnen die Möglichkeit, sich ungeachtet ihrer negativen Selbsteinschätzung auszudrücken.

Wenn Jugendliche ein gemeinsames Bild gestalten, lernen sie, auf die Individualität und den Stil der anderen zu achten und sie bestehen zu lassen. Es wird darauf Wert gelegt, dass sie erkennen, dass ein Einzelner niemals eine solche Vielfalt herstellen kann. Dies ist eines der größten Lernziele der Gruppenarbeit.

Kunst und Therapie

Künstlerische Werke zu erstellen ist etwas anderes als Kunsttherapie, bei der das kreative Werk therapeutische Funktion hat, auch wenn diese beiden Maßnahmen nicht immer klar voneinander abgegrenzt werden können, denn jede Gestaltung eines Bildes hat auch therapeutischen Wert und viele therapeutische Werke sind künstlerisch interessant. Doch während beim Ersten die Ästhetik im Vordergrund steht, dreht sich im Zweiten alles um den psychologischen Aspekt. Diese Werke sollten niemals einer Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

Auktion von Bildern von Jugendlichen im Mai 2019

Wenn du Interesse an meiner kunsttherapeutischen Begleitung hast, dann freue ich mich, wenn du meine Seite http://www.a-primus.at besuchst.

Hier findest du einen Artikel, der meine Arbeit beschreibt.

Alles Liebe,

A.P.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wie du lernst, mit einem belastenden Thema besser umzugehen

Wie kann ich das, was mich belastet, und was ich nicht ändern kann, leichter akzeptieren? Die folgende kunsttherapeutische Übung hilft dir dabei!

A.Primus, Wien, 18.09.2018

Liebe Leserin, lieber Leser!

Wir Menschen haben immer irgendwelche Probleme. Sei es ein Streit, Unbehagen in der Arbeit, das Älterwerden, körperliche Gebrechen, Arbeitslosigkeit, Unsicherheit, Einsamkeit, um nur einige zu nennen. Jeder Mensch ist betroffen. Unterschiede gibt es jedoch im Stellenwert, den wir den einzelnen negativen Einflüssen und Befindlichkeiten beimessen. Bei den einen überschattet das Problem das ganze Leben, die anderen haben gelernt, es zu akzeptieren, an Lösungen zu arbeiten und vor allem, nicht nur das Problem zuzulassen, sondern auch jene Anteile, die gut funktionieren, wahrzunehmen.

Die unterschiedliche Wahrnehmung bestimmt, wie zufrieden du im Leben bist. Wenn du meinst, den eher Unglücklichen anzugehören, kannst du etwas dagegen tun, um glücklicher zu werden. Hier möchte ich eine kunsttherapeutische Methode vorstellen, die ich für sehr wirksam halte, denn sie leugnet das Problem nicht, sondern weist ihm einen bestimmten Platz im Leben zu. Das führt dazu, dass wir es einerseits als einen Teil unseres Lebens akzeptieren können, es aber andererseits nicht ins Unermessliche wachsen lassen.

Anleitung:

1. Benenne dein belastendes Thema oder Problem

2. Überlege, welchen Stellenwert du ihm zur Zeit gibst und zeichne locker mit einem Bleistift ein Viereck auf ein Blatt Papier, und zwar in der Größe, die das Thema in deinem Leben einnimmt.

3. Überlege nun: ist das Viereck angemessen groß oder überschattet es alles andere? Wenn Letzteres der Fall ist, dann radiere das Viereck aus und platziere es neu, passe die Größe dem Stellenwert, den du dem Thema in deinem Leben zu geben bereit bist, an.

4. Zeichne den Rahmen des Vierecks dick nach und male nun ein Symbol oder Bild für dieses Problem in die freie Fläche hinein.

5. Außerhalb des Vierecks hast du nun wahrscheinlich eine größere leere Fläche. Diese steht dir für die schönen Seiten in deinem Leben zur Verfügung. Finde Farben, Symbole, Worte oder Bilder dafür, erinnere dich an schöne Momente, denke an Menschen, die für dich da sind, und konzentriere dich auf das Gute, das dir widerfahren ist. Übertrage all das auf die leere Bildfläche außerhalb des Vierecks.

Viereck
In diesem Viereck wurden körperliche Einschränkungen dargestellt. Die warme Farbgebung außerhalb des Vierecks  symbolisiert die positive Seite des Lebens.

Am Ende wirst du erkennen, dass dein Thema oder Problem zwar ein Teil deines Lebens ist, aber auch, dass dein Leben viel Gutes zu bieten hat. Wenn du dein Ergebnis mit mir besprechen möchtest, kontaktiere mich bitte über https://www.a-primus.at

Alles Liebe, A.Primus